Der Hundsgraben in der Palmstraße

Die mittelalterliche Abwasserentsorgung ist ein kleiner aber durchaus spektakulärer Teil der Braunauer Unterwelt, wie in nachfolgender Geschichte zu sehen und zu lesen ist.

Abwasseranlagen, wenn man diese überhaupt als solche bezeichnen kann, waren in Braunau am Inn seit dem ausgehenden Mittelalter in Verwendung. Über gemuldete Abwasserrinnen in der Straßenmitte wurde das Regenwasser in den Stadtbach geleitet. Das Schmutzwasser aus den Häusern landete in alter Zeit ebenfalls auf der Straße und gelangte über die Abwasserrinnen in den Stadtbach. Welche katastrophalen, hygienischen Bedingungen damals vorherrschten, möchte man sich gar nicht vorstellen. Es sollten noch Jahrhunderte vergehen, bis die ersten durchgängig unterirdischen Abwasserkanäle errichtet wurden.

Der Hopferkanal in der Kirchengasse, Kanäle links und rechts der Linzer Straße sowie der Hundsgraben in der Palmstraße, zählen zu den ältesten Braunauer Kanalanlagen. Einige davon sind bis heute begehbar und bilden zusammen ein unheimliches, unterirdisches Labyrinth.

In Reisenachrichten aus Oberösterreich aus dem Buch Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst, geschrieben anno 1828 ist Folgendes über die Braunauer Kanalanlagen zu lesen: Merkwürdig sind die vielen mit Tuff aufgemauerten Kanäle der Stadt, wovon der größte und schönste der Hundsgraben ist. Die Entstehung dieser Kanäle schreibt man in die Zeit des Kurfürsten Ferdinand Maria von Bayern (1651-1679).

Einer der heimatkundlich interessanten Altstadtkanäle ist der oben erwähnte Hundsgraben.  Er verläuft unterirdisch vom ehemaligen Wasserturm mit Brunnenhaus (Färbergasse 15) im Malerwinkel die Palmstraße entlang bis zum nahegelegenen Ufer des Inns.

Die alte Kanalisation

Abbildung: Malerwinkel mit altem Wasserturm, Färbergasse 15 (Ansichtskarte um 1908)

Die alte Kanalisation

Abbildung: Eingang in den Hundsgraben im Wasserturm (Foto Peter Lorenzer)

Dieser durchaus historisch zu nennende Abwasserkanal ist größtenteils aus Tuffstein gemauert und gerade mal so hoch, dass er in gebückter Haltung begehbar ist. An seiner schmalsten Stelle misst er nur knapp fünfzig Zentimeter.

Mittelalterlicher Kanal Braunau am Inn

Abbildung: Eine geheimnisvolle, fast schon unheimliche Stimmung herrscht im altertümlichen Kanalsystem unter den Häusern der Palmstraße (Foto Peter Lorenzer)

In der oberen Hälfte weitet sich der Hundsgraben zu einer größeren Halle. Ihre Länge beträgt fünf Meter, die Höhe und die Breite messen an die vier Meter. Einer alten Volksüberlieferung zufolge wurden anno dazumal in diese Halle früher tote Hunde geworfen, wodurch der Altstadtkanal auch seinen Namen erhalten hat.

Hundsgraben Braunau am Inn

Abbildung: Der gemauerte Hundsgraben verläuft mit unregelmäßigem Querschnitt der Palmstraße entlang zum Inn (Foto Peter Lorenzer)

Bei unserer weiteren Exkursion durch die altertümlichen Kanalanlagen tauchte plötzlich eine leicht verwitterte, mit Namen versehene Steintafel im Licht der Taschenlampen auf. Nach behutsamer Reinigung konnten wir den Namen Andreas Öttl eindeutig identifizieren. Im Gemeinderatsprotokoll vom 27. Oktober 1898 ist unter Punkt 10 Folgendes zu lesen: Vorlage der eingelangten Gesuche um die Kanalräumerstelle; Antrag der 3. Sektion, dem Andreas Öttl diese Stelle zu verleihen. Über Antrag der 3. Sektion wird einstimmig beschlossen, die städtische Kanalräumerstelle an den Andreas Öttl, Maurer, zu verleihen. Außerdem war er als Maurer laut Gemeinderatsprotokoll auch dafür zuständig, notwendige Kanalsanierungsarbeiten durchzuführen.

Herr Andreas Öttl hat sich, so wie es aussieht, mit mehreren Kollegen im Zuge solcher Kanalsanierungsarbeiten in der Braunauer Unterwelt verewigt.

Tafel im Hundsgraben Braunau am Inn

Abbildung: Eine rätselhafte Steintafel an einer Seitenwand im Hundsgraben (Foto Peter Lorenzer)


Digitale Bilderkarte zum Malerwinkel mit Wasserturm

Digitale Bilderkarte Malerwinkel mit Wasserturm
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Das Google Maps Navigationssystem ist zwar sehr zuverlässig, aber sicherlich nicht unfehlbar. Als aufmerksamer Spaziergänger sollten sie also vor allem Ihre Umgebung immer genau im Blick haben und nicht nur mit gebeugtem Kopf Smartphone und Co fixieren. Dann steht einem unbeschwerten Ausflug nichts mehr im Wege.

Natürlich können Sie sich auch mit einem "analogen Navigationssystem", sozusagen "auf des Schusters Rappen" ausgerüstet mit einem Stadtplan an den gewünschten Zielort begeben.