Der alte Wasserturm - vom praktischen Funktionsbau zum fotogenen Blickfang

Der letzte Abschnitt unserer geschichtlichen Exkursion zum Thema Wasserversorgung beginnt mit der Gemeindeausschusssitzung am 23. April 1919, bei welcher die Stadtgemeinde Braunau am Inn einstimmig beschlossen hatte, mehrere Liegenschaften und Objekte des ehemaligen Flüchtlingslagers käuflich zu erwerben. Vor allem die eigens für das Flüchtlingslager angelegte, mit Dampfkraft betriebene Hochdruckwasserleitung bot eine willkommene Gelegenheit, die bestehende städtische Wasserversorgung wesentlich zu verbessern. Natürlich galt es auch bei diesem Projekt zunächst noch, allerlei bürokratische und organisatorische Hürden zu überwinden, bis am 17. Dezember 1920 die alles entscheidende Hausbesitzer-Versammlung stattfand.

Cornelius Flir
Abbildung: Cornelius Flir, Bürgermeister von Braunau am Inn (Kabinettfoto, Archiv Renate Hoerner)

In der Neuen Warte am Inn vom 24. Dezember 1920 ist Folgendes zur alles entscheidenden Hausbesitzer-Versammlung zu lesen.

Bau einer Hochdruckwasserleitung. Am Freitag, den 17. Dezember fand im Gasthofe Fink eine äußerst gut besuchte Hausbesitzer-Versammlung statt, um den Bau einer Hochdruckwasserleitung zu besprechen. Herr Vizebürgermeister Baurat Waltl, die Seele des ganzen Werkes, besprach und erläuterte eingehend den Bau der Wasserleitung, wies auf die günstige Gelegenheit hin, den Bau ehestens in Angriff zu nehmen. Ingenieur Seemann der Firma Rumpl brachte einige Details bezüglich Anschlusses in die Häuser vor und die darauffolgende Debatte bewies, dass der Bau unbedingt notwendig ist. Herr Bürgermeister Cornelius Flir betonte die günstige Gelegenheit und erklärte, dass eine Hochdruckwasserleitung für Braunau nur von großem Vorteil sein kann. Bei der Abstimmung wurde das Projekt einstimmig angenommen.

Nach dieser sehr positiv verlaufenen Aufklärungsverhandlung ging dann alles recht zügig voran. Bei der am 8. Jänner 1921 abgehaltenen ordentlichen Gemeindeausschusssitzung wurde einstimmig beschlossen, mit dem Umbau der städtischen Wasserleitung unverzüglich zu beginnen und für die Dauer des Umbaus Herrn Baurat Artur Waltl als Baubevollmächtigten zu bestellen.

Artur Waltl
Abbildung: Vizebürgermeister Baurat Artur Waltl (Kabinettfoto, Archiv Renate Hoerner)

Mit Inbetriebnahme der neuen Hochdruckwasserleitung hatte der gute alte Wasserturm endgültig ausgedient und wurde außer Dienst gestellt. Und wie es halt so ist mit alten Dingen, die man nicht mehr braucht, sie geraten, so wie eben auch der Wasserturm, in Vergessenheit und der Zahn der Zeit nagte unerbittlich am alten Gemäuer.

Man wollte doch tatsächlich das sanierungsbedürftige Bauwerk schon abreißen lassen, entschied sich dann aber glücklicherweise doch für den Erhalt und die fachgerechte Restaurierung des in alter Zeit so bedeutsamen Gebäudes. Der Turm wurde von seinen neugotischen Zinnen befreit und nach einem Aquarell des akademischen Malers Hugo von Preen aus dem Jahre 1885 wiederhergestellt. Und genauso präsentiert sich der Wasserturm auch heute noch im neuen alten Kleide als fotogener Blickfang dem geneigten Besucher.

Wasserturm im Neuen Alten Kleide
Abbildung: Wasserturm im Neuen Alten Kleide als fotogener Blickfang (Foto Rachbauer)