Web 2.0

Was ist Web 2.0

Im Jahre 1990 wurde am Schweizer CERN Institut von Tim Berners-Lee das auf Hypertext basierende World Wide Web "gezeugt", um die Fülle der Informationen im Internet besser nutzen zu können. Nach ersten "Geburtswehen" im Jahre 1993 mit dem Webbrowser Mosaic folgte die eigentliche Geburtsstunde des Web 1.0 erst mit der Einführung des damals modernsten Webbrowsers Netscape im Jahre 1995.

In dieser Frühphase waren die Aktivitäten der Benutzer hauptsächlich auf mailen und surfen beschränkt. Die Rollen im Netz waren eindeutig verteilt. Unternehmen boten Informationen an, und die Nutzer konnten diese Informationen abrufen.

Aber nichts bleibt wie es ist, und auch das Web entwickelte sich weiter . Weil der Computer vom belächelten Spielzeug zum fast unverzichtbaren Arbeitsinstrument wurde, weil Breitband - Internetanschlüsse immer mehr und vor allem bezahlbar wurden, und weil Software immer leichter zu bedienen war, verschwamm die Grenze zwischen Machern und Nutzern immer mehr. Das Internet befindet sich derzeit in der Pubertät oder besser gesagt in den so genannten Flegeljahren. Und wie das halt so ist in der Pubertät, kaum ist der erste große "Dotcom-Liebeskummer" überwunden, stürzt sich das Internet mit Web 2.0 ins nächste Liebesabenteuer.

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Web 2.0 - Internet fürs Volk

Im Web 2.0 ist die alte Rollenverteilung von Produzent und Konsument passè. Vormals passive Konsumenten arbeiten nun aktiv in Communities mit und verbreiten ihre eigene Meinung in Weblogs, Wikis oder Podcasts, die durch ihre starke Vernetzung eine sehr große Reichweite und Öffentlichkeit erlangen. User Generated Content erzielt zum Teil bereits höhere Zugriffszahlen als etablierte Medien. Im Umgang mit diesen nutzergenerierten Informationsquellen entstehen für Unternehmen neue Anforderungen, die es zu bewältigen gilt.

Das Online-Auktionshaus Ebay hat auf diese Anforderungen schon vor längerer Zeit optimal reagiert. Denn Ebay verkauft nicht direkt etwas, sondern stellt seinen Kunden nur eine Plattform zur Verfügung. Der Verkauf der Ware, inklusive Beschreibung und Produktfoto, wird von den Kunden selbst besorgt. Nach Abschluss der Transaktion bewerten sich die Ebay-Teilnehmer gegenseitig und öffentlich.

Das Unternehmen verdient mit dieser Strategie nicht schlecht. Denn bereits mit dem Einstellen der Waren werden Gebühren fällig, die, abhängig von der Höhe des Startpreises, gestaffelt sind. Nach Auktionsende ist eine prozentuelle Provision an Ebay abzuführen, die sich aus der Höhe des erzielten Verkaufspreises errechnet. Dieses Geschäftsmodell funktioniert durch die gemeinschaftliche Aktivität zwischen Käufer und Verkäufer. "Je mehr Verkäufer, desto größer das Angebot und damit mehr potentielle Kunden - Je mehr potentielle Kunden, desto größer die Anzahl der Verkäufer." Aufgrund dieser Wechselwirkung hat Ebay einen wesentlichen Vorteil gegenüber seiner Konkurrenz. Denn jeder neue Markteinsteiger muss sich erst einen kaufkräftigen Kundestock aufbauen. Als eines der ersten Auktionsportale im Internet hat Ebay seine Vormachtsstellung gegenüber seinen Mitstreitern fast unerreichbar ausgebaut.

Klassische Markenkompetenzen wie Vertrauen, Sicherheit und Seriosität werden zunehmend den Konsumenten selbst zugeschrieben (beste Beispiele sind Produktbewertungen in Online-Kaufhäusern und Hotelbewertungen in Web-Reisebüros). Das selbstverständliche Vertrauen in eine bestimmte Marke schwindet, vielmehr glaubt man der kleinsten Einheit im Web: dem Individuum. Denn Produktbewertungen sind authentisch und glaubwürdig. Unternehmen werden sich wohl oder übel künftig auf diese Art der Kompetenzverteilung einstellen müssen.

Das Online-Kaufhaus Amazon hat sich mit seinem Web 2.0 Konzept bereits darauf eingestellt. Hier wird der Kunde nicht nur bestens bedient, sondern auch in das Geschäft mit eingebunden. Amazon arbeitet mit einer Mischung aus Produktkritik und Empfehlungssystem. Kunden können Waren, die sie gekauft haben, direkt online bewerten. Negative Bewertungen werden weder beschönigt noch gelöscht. Diese Maßnahme schafft Vertrauen und zusätzliche Glaubwürdigkeit.

Mit dem Slogan "Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch" - werden zudem thematisch passende Kaufempfehlungen angezeigt. Mit der Funktion "Search Inside" werden Online-Kunden, die sich für Bücher interessieren, in ihrer Kaufentscheidung unterstützt. Amazon hat damit im Prinzip einen virtuellen Buchladen geschaffen, in dem die Konsumenten vor dem Kauf auszugsweise in den angebotenen Büchern blättern können. Diese Art der Zielgruppenoptimierung würde mit herkömmlichen Marketingstrategien (zum Beispiel Zeitungsanzeigen, Meinungsforschung, Marketingexperten, usw.) wesentlich höhere Kosten verursachen.

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Das kann böse enden

Bei aller Euphorie gilt es aber auch nicht die Augen vor den Gefahren zu verschliessen. Denn die vielen Informationen, ganz besonders die über sich selbst, werden mehr noch als bisher von jedem, immer und überall recherchierbar und abrufbar sein. Unternehmen können Konsum- und Vorliebenprofile ihrer Kunden in Zukunft noch einfacher zusammenstellen. Immer mehr intime Informationen der Nutzer werden auf den Servern rund um die Welt gelagert sein. Die Gefahren dieser Entwicklung sind unübersehbar.

Aber auch Unternehmen können durch unüberlegte Strategien schnell in eine Krise geraten. Denn Geld wird im Web 2.0 häufig mit Werbung verdient. Auf der Startseite von YouTube laufen oben rechts bezahlte Werbevideos, vorstellbar wären auch kurze Werbeeinblendungen vor und nach den abgerufenen Web-Videos. Aber diese Form des Marketings können dem Vertrauen der Communities und der Glaubwürdigkeit der Inhalte abträglich sein. Internetbenutzer sind auch nicht wirklich treue Wesen. Sollte es ein besseres Angebot mit weniger Werbung geben, warum dann beim Alten bleiben. Und schon ist er ausgeträumt, der Traum vom großen Gewinn.

Produktmängel werden durch eine Art User to User Propaganda im Netz schnell weiter verbreitet und führen meist zu einer Image-Katastrophe wie der Fall Kryptonite zeigt.

Kryptonite Fahrradschlösser sind laut eigenen Angaben des Herstellers "ein Synonym für Sicherheitstechnik auf höchstem Niveau". Dieser Sicherheitsstatus wurde am 12. September 2004 schwer erschüttert als im Webforum www.bikeforums.net ein Videoclip erschien, der zeigte, wie eines dieser sicheren Fahrradschlösser mit Hilfe eines einfachen Kugelschreibers geöffnet wurde. Bereits am nächsten Tag waren mehrere, ähnliche Anleitungs-Videos im Forum zu sehen. Ab diesem Zeitpunkt verbreitete sich der Kugelschreiber-Clip mit enormer Geschwindigkeit innerhalb der Blogosphäre. Rund zwei Millionen User pro Tag erfuhren dadurch von der Anfälligkeit der Fahrradschlösser. Nur drei Tage nach Erscheinen des ersten Videoclips, am 15. September 2004, berichteten die führenden Tageszeitungen New York Times und Boston Globe über diesen Vorfall. Am 20. September startete das Unternehmen Kryptonite eine groß angelegte Rückrufaktion für die betroffenen Fahrradschlösser.

Ein interessantes Detail am Rande: Besagte Anleitung zum Öffnen der Fahrradschlösser wurde bereits vor einigen Jahren in einer Fachzeitschrift veröffentlicht, ohne eine derartige Reaktion bei Kryptonite zu erzielen.

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Schönes Neues Web

Nutzergenerierte Inhalte verbreiten und Rückmeldungen erhalten ist spannend und macht Spaß, aber führt auch zur Erkenntniss, dass das Internet immer nur so gut ist, wie die Nutzer es machen.

Soll heißen: Inhalte müssen her, die genauso spannend und relevant sind, dass sie mit professionellen Inhalten konkurrieren können. Denn bis jetzt leben die nutzergenerierten Inhalte von ihrer Authenzität.

Blogartikel sind oft in einem eher provokanten Stil abgefasst, Podcasts sind vielfach nur Spaßprojekte, weil man halt mal gerne Moderator spielen will; das ist grundsätzlich nicht schlecht, aber es besteht die Gefahr, dass das Netz zugekleistert wird, und qualitativer Content auf der Strecke bleibt.

Ziemlich häufig kommt das zum Beispiel in Internetforen zum Ausdruck. Eine simple Frage wird in einem beliebigen Computerforum gestellt. Die erste Antwort darauf lautet meist "Gib den Begriff doch einfach bei Goggle ein" oder "Wer das nicht weiß, hat in diesem Forum nichts verloren". Die restlichen Antworten nerven meist mit latenter Profilierungssucht und dem zwanghaften Drang, alles und jeden kommentieren (und korrigieren) zu müssen, auch dann, wenn man offensichtlich selber nicht die geringste Ahnung vom Thema hat. Bis dann nach geraumer Zeit der Administrator endlich zur Ruhe und Besonnenheit aufruft.

Tja, viel verschwendete Zeit und die simple Frage ist immer noch nicht beantwortet.

YouTube und die vielen kleinen, lustigen Web Videos. Qualitativ bewegen sich die Streaming Videos meist auf unterstem Level. Was erwartet uns als nächstes? Die YouTube Masochist Edition Herr der Ringe in Mono und schwarzweiß? Kommt auf dem HDTV-fähigen Plasmabildschirm nebst DTS-Anlage sicher besonders gut!!!

Mit Web-TV ist das auch so eine Sache. Wir gucken Nachbars-TV und kommen zur Erkenntniss: Unser Nachbar trinkt.... und sogar mehr als unsereins! Informationsbeschaffung pur, oder?

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Web 3.0 - Internet Next Level?

Web 3.0 unendlicher Content. Wir dringen in 3D-Welten vor, die noch nie... Na ja, so schlimm wird's wohl nicht werden. Aber schauen wir uns doch einen typischen Web 3.0 Alltag in der nahen Zukunft an.

Kürzlich ist das neue Web 3.0 Rollenspiel "Parallel Meine Wohngegend Universum 3D" im Internet veröffentlicht worden. Meine Wohnung samt Einrichtung inklusive meiner Wenigkeit wurde bereits in die virtuelle Welt übertragen. Und schon kann ich neben meinem wirklichen Leben noch ein virtuelles führen. Cool!!

Aber aufgepasst, denn wie früher mit dem guten alten Tamagotchi muss man auch in der virtuellen Welt für sein leibliches Wohl sorgen und viele andere alltägliche Dinge beachten. Hat man zum Beispiel vor dem Beenden des Spiels vergessen, seine virtuelle Wohnung abzuschließen, kann es durchaus sein, dass beim nächsten Spielbesuch einige wertvolle Gegenstände nicht mehr vorhanden sind. Unten rechts am Bildschrim erscheint dann der Name des Virtu-Einbrechers mit seiner echten Adresse, wo man dann laut Spielregeln die ebenfalls echten Sachen hinsenden muss. Tja, Pech gehabt - Game Over!

Da fällt mir noch was ein. Als ich gestern mit meinen Kumpels aus der Virtu-Discothek kam, hatte ich doch eine kleine Schlägerei und hab einiges einstecken müssen. Na ja, virtuell hats ja nicht weh getan, aber vielleicht sollte ich doch mal in den AGBs nachlesen, was in so einem Fall passiert. Die werden doch nicht.... oder doch?

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Web 3.0