Das Rabenhaus in der Palmstraße Nr. 10

In alter Zeit waren die sogenannten Hausnamen die einzigen eindeutigen Kennzeichnungen eines Hauses, vergleichbar mit den heutigen Hausnummern. Die meisten der Hausnamen können auf Vor- oder Familiennamen, Berufsbezeichnungen oder auf örtliche Gegebenheiten zurückgeführt werden. Manche Bezeichnungen lassen sich jedoch nicht ganz so einfach zuordnen. Dazu gehören auch Hausnamen, die beispielsweise aus Tier- und Baumnamen entstanden sind.

Im Falle des Rabenhauses bieten sich verschiedene Deutungsmöglichkeiten an.

Franz August Stocker deutet in seinem Buch "Vom Jura zum Schwarzwald: Geschichte, Sage, Land und Leute, Band 9, 1892" den Hausnamen Rabenhaus folgendermaßen: "Der Rabe war den alten Germanen ein weisendes und prophetisches Tier.  Die zwei Raben Huginn (Gedanke) und Muninn (Erinnerung) sandte Odin als Kundschafter in die Welt hinaus, um ihm Bericht zu erstatten."

Nach einer alten Überlieferung kann dem Hausnamen Rabenhaus auch eine biblische Herkunft nachgewiesen werden, wie z.B. auf den Raben, der den Propheten Elias sowie die Apostel Antonius und Paulus mit Nahrung versorgt haben soll.

Im Buch "Geschichte von Hamburg: Vom Entstehen der Stadt bis auf die neueste Zeit, Band 1 von W. L. Meeder" aus dem Jahre 1839 wird der Hausname Rabenhaus folgendermaßen gedeutet: "Es stand hier in frühester Zeit die Wohnung des Wasenmeisters (zuständig für die Tierkörperverwertung), Rabenhaus genannt, als nun mehr daselbst erbaut wurden, nannte man sie Rabenhäuser, (Raben waren in der Nähe der Wasenmeisterei gewiss sehr zahlreich)."

In unmittelbarer Nähe des Rabenhauses, Palmstraße Nr. 10, befand sich der Hundsgraben, der sich dort zu einer größeren Halle verbreiterte. Einer alten Volksüberlieferung nach wurden in diese Halle früher tote Hunde geworfen, wodurch dieser Kanal auch seinen Namen erhalten hat.

Rabenhaus Braunau

Abbildung: Das Rabenhaus in der Palmstraße Nr 10 (Archiv Renate Hoerner)

Hoch oben vom Steilgiebel des Hauses Palmstraße Nummer 10 (Bäckerei Nöbauer) blickt majestätisch der „Bayerische Löwe“ herab und erinnert an die Zeit, als das Innviertel noch zum Herzogtum Bayern gehörte.

In diesem liebevoll restaurierten Gebäude, das in alten Zeiten den Hausnamen „Rabenhaus“ trug, befand sich früher der Sitz des Mautners zu Braunau, Hofkammersekretär und Pfleggerichtsschreiber zu Julbach, Johann Gottlieb Kättenpeckh.

Ab dem Jahre 1382 diente ja noch die Burg Julbach als Sitz des Pfleggerichts bis sie im Landshuter Erbfolgekrieg anno 1504 vollständig zerstört wurde. Daraufhin verlegte man den Gerichtssitz in die herzoglich-bayerische Stadt Braunau am Inn.

Im Jahre 1779 kam das Innviertel durch den Teschner-Frieden zu Österreich und damit gehörte auch Braunau nicht mehr zu Bayern. Nach über 200 Jahren musste der Sitz des dort befindlichen Pfleggerichtes Julbach nun nach „drüben überm Inn“ verlegt werden. Leider waren aber dort keine passenden Lokalitäten vorhanden, um die Registratur unterzubringen, geschweige denn, um die Beamten mit ihren Familien beherbergen zu können. In Julbach gab es nur ein kleines, hölzernes und baufälliges Amtshaus, das sich aber keinesfalls für einen Gerichtssitz eignete. Auch in Simbach war kein annähernd geeignetes Gebäude wie auf Braunauer Seite zu finden.

Den damaligen Pfleggerichtsschreiber zu Julbach und „Grenzwöhrmautner zu Simbach“, Hofkammersekretär Johann Gottlieb Kättenpeckh kümmerte der Umstand, dass Braunau nun nicht mehr unter bayerischer Landeshoheit stand, herzlich wenig und so erledigte er seine Amtsgeschäfte weiterhin von Braunau aus. Als dieser Übelstand höheren Stellen zur Kenntnis gelangte, erging an Kättenpeckh der Befehl, den Amtssitz nach Simbach zu verlegen. Zum Schein mietete er sich dort beim Zimmer-Parlier Steindl eine Wohnung, die er jedoch nicht bezog. Am 25. Juni 1781 erhielt er eine weitere Weisung der kurpfalz-bayerischen Rentendeputation Burghausen. In dieser wurde ihm mit Dienstentlassung gedroht, wenn er nicht binnen acht Tagen Folge leisten würde. Aus einem Dokument vom 3. Oktober 1781 geht hervor, dass Kättenpeckh daraufhin mit seinem Personal in das Haus des Leerhäuslers Maierhofers gezogen war und die Gerichtsakten beim Moosmüller und Kramer Steffan Kraus untergebracht wurden.

So kamen Pfleggericht und Mautamt erst zwei Jahre nach der Übergabe des Innviertels an Österreich nach Simbach am Inn.

Das Rabenhaus

Abbildung: Das Rabenhaus in der Palmstraße Nr 10, heute Bäckerei Nöbauer (Foto Manfred Rachbauer)