Hygienisch bedenkliche Zustände am Stadtbach

Dass man in früheren Zeiten insgesamt von einer eher lockeren Handhabung der hygienischen Bedingungen in der Stadt am Inn ausgehen muss, zeigen mehrere, kürzere Artikel, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Eine namenlose Rücksichtslosigkeit muss es genannt werden, wenn sich ein Häuslbesitzer außer der Stadt erlaubt, im Stadtbach, einige Schritte vor dem Wasserleitungsrohr, von dessen Zufluss die ganze Stadt trinken und kochen muss, seinen Mistwagen hineinzuwaschen, die von Jauche und Mist strotzenden Räder in den Bach zu werfen, dort stundenlang aufweichen zu lassen, und dann im Wasser selbst noch abzubürsten und dazu lauthals zu lachen! Der gewisse Herr ist zwar als sehr eigentümlicher Spaßmacher weit und breit bekannt, aber wenn sich die ganze Stadt zu dessen Vergnügen solche Witze gefallen lassen muss, so rufen wir dagegen zum Schutze der ganzen Einwohnerschaft die Sanitätsbehörde auf, dass sie das auch sehe, wenn sie Augen hat
(Neue Warte am Inn vom 23. April 1887).

Hygienisch bedenkliche Zustände am Stadtbach     Hygienisch bedenkliche Zustände am Stadtbach

Abbildung: von der Ringstraße abzweigende zur sogenannten „Schwemme“ (Richtung Mühlengasse) führende Straße (Ansichtskarten)

Was sagt die Einwohnerschaft Braunaus dazu, wenn sie feststellt, dass der Stadtbach, woraus Braunau trinkt und kocht, alle möglichen Exkremente mit sich führt, dass vor dem Einlauf in die Wasserleitungsröhre ein kleiner Graben eingeleitet wurde, welcher Jauche und Unrat in den Stadtbach leitet, dass die Filtrierkammer mit fingerdickem Schmutz belegt und in der ganzen Leitung wie auch im Brunnenhaus grün angewachsener, schlüpfriger Schleim und schmutziger Bodensatz zu finden ist, dass vielleicht tausende von krepierten Wassertieren dort verwesen, lebendes Würmergezüchte ihr ungestörtes Dasein führt und der Inhalt von hineingeleerten Haustöpfen das Aroma liefert? (Neue Warte am Inn vom 14. März 1891)

Hygienisch bedenkliche Zustände am Stadtbach

Abbildung: Grund- und Profilplan zum städtischen Brunnenhaus in Braunau anno 1860 (Stadtarchiv Braunau)

Die Notdurft in aller Öffentlichkeit zu verrichten ist strengstens verboten! Teils durch das abfließende Wasser am Fischbrunnen (Stadtplatz Braunau am Inn), teils durch die üble Gewohnheit, dass einige Hausbesitzer Zuberweise Abwaschwasser auf die Straße ergießen, hat sich um den Fischbrunnen eine solche Masse Eis gebildet, dass die Frage entsteht, ob nicht die hiesigen Bräuer ihr zum Kühlen des Bieres benötigte Eis auf dem Marktplatze brechen sollten? Gegen die Eiserzeugung vor den Gasthäusern ist schon viel gesprochen worden, aber solange die Gastwirte selbst nicht für beleuchtete Aborte sorgen, solange wird immerfort die abscheuliche Gewohnheit fortbestehen und man wird vor den Gasthäusern immer erkennen, ob am Vortage viel oder wenig Gäste sich in demselben befanden (Die Warte am Inn vom 25. Jänner 1869)

Fischrbunnen am Stadtplatz Braunau
Abbildung: Der Fischbrunnen am Stadtplatz Braunau (Archiv Renate Hoerner)

Dass oben erwähnte, abscheuliche Gewohnheit, die Notdurft in aller Öffentlichkeit zu verrichten, nicht nur vor Gasthäusern durchgeführt wurde, sondern auch der Stadtbach vor "wildem" Urinieren und Defacieren nicht verschont geblieben ist, zeigt folgende Kundmachung aus dem Jahre 1874.

Hygienisch bedenkliche Zustädne am Stadtbach

Abbildung: Kundmachung bezüglich der Verunreinigung des Stadtbaches, ausgestellt am 23. April 1874 (Stadtarchiv Braunau)